In „St. Lambrecht" verbirgt sich eine Tradition, auf die alle stolz sein können

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In „St. Lambrecht" verbirgt sich eine Tradition, auf die alle stolz sein können

 

Beitrag zur „Debatte“ um St. Lambrecht, ja oder nein

 

– erschienen in der ‚Talpost’, dem wöchentlich donnerstags veröffentlichten
Regional- und zugleich Amtsblatt der Verbandsgemeinde Lambrecht/Pfalz,
am 23.07.2009 (Ausgabe 30) –

 

Stellungnahme zur fehlgeleiteten Auffassung des „Fähnleins der Aufrechten“, den „Siegelwahrern“ der in puncto „St. Lambrecht“ schreiend falsch verstandenen Wallonen, wie geäußert in den Leserzuschriften Pfarrer Diringers vom 14.05.09 und dem zweier Vertreter des protestantischen Presbyteriums der Kirchengemeinde Lambrecht/Lindenberg vom 09.07.09 in der Talpost.

 

Es wäre eine Schande für die gesamte protestantische Kirchengemeinde beider Ortschaften (Lambrechts und Lindenbergs), müsste man die ‚Apologie’, die Verteidigungsschrift zweier Vertreter des Presbyteriums zu dem stilistisch wie inhaltlich vollkommen deplazierten wie missratenen Pamphlet ihres Pfarrers als prototypisch für die Meinung aller Mitglieder dieser ‚Kirchenkongregation’ ansehen. Als ernsthafter, schon immer tiefgläubiger Protestant und Angehöriger dieser Kirchengemeinde ist es mir geradezu ein Bedürfnis, mich öffentlich in aller Form von den Äußerungen Herrn Pfarrer Diringers - und in Begleitung dazu, der im Tenor gleichlautenden, feierlich deklaratorisch abgegebenen Erklärung des Presbyteriums - zu distanzieren.

Die Auffassung der Verfechter der Restitution des alten Ortsnamens „St. Lambrecht“ wird nicht nur von Herrn Pfarrer Diringer mit Hohn und Spott überzogen und damit das Ehrgefühl aller Lambrechter verletzt, ungeachtet ihrer Konfessionszugehörigkeit, sie wird ergänzend im Brief des Presbyteriums gar noch als „absurd“ hingestellt. Welch eine Steigerung der Diffamierung ‚Andersgläubiger’! Ist das die Toleranz eines Christen, zumal noch die eines von Vorbildcharakter geprägten ‚Hirten’? Es hätte dem Presbyterium gut angestanden, nicht in aller Schärfe und Entschiedenheit die objektiv gerechtfertigten Einsprüche der letzten drei Leserbriefe zu dem Thema zurückzuweisen, sondern sich für die Entgleisung ihres Pfarrers zu entschuldigen. Dies hätte den inter- wie überkonfessionellen Frieden in der Gemeinde gefördert, ja gestärkt. So aber wurde nur Unfrieden gestiftet. Der Ton der Versachlichung ist längst verloren gegangen in der nun schon seit zwei Jahren anhaltenden, öffentlich geführten Debatte. Ein trauriges Zwischenergebnis.

In seinem in süffisantem Unterton gehaltenen, schnippisch pseudo-elegant dahin plätschernden Stil in unverkennbarer Möchte-gern-Überlegenheitsattitüde beschämt, ja demütigt Herr Pfarrer Diringer alle Lambrechter mit alternativen, sach-disparaten, thema-inkohärenten Namensvorschlägen wie „Gäsbockhausen“, „Klein-Wallonien", „Sankt Eligius“. Und dabei beruft er sich noch auf die Aufklärung. Ob er wohl je verstanden hat, was ‚Aufklärung’ bedeutet?

 

Für Renaissance des Namens St. Lambrecht

Wir, die Pro-St.-Lambrechter, dürfen uns als die Aufgeklärten bezeichnen. Wir handeln mit Vernunft und im Glauben an das Gute, steht doch der Glaube keineswegs im Widerspruch zum Geist der Aufklärung. Wir, die wir den Namen ‚St. Lambrecht’ auf unser Panier schreiben, tragen den geschichtlichen Fakten, den nachweislich offenbar gewordenen Tatsachen im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte Lambrechts, Rechnung. Wir möchten dem legitimen Namen Lambrechts zu seinem Recht verhelfen, indem wir eine Renaissance des Namens ‚St. Lambrecht’ befürworten und aktiv in die Wege leiten wollen.
Nomen est omen.

Eine Jahrtausend alte, historisch gewachsene Tradition - inzwischen freilich in all ihren modernen Variationsformen - verbirgt sich im Namen ‚St. Lambrecht’, worauf wir doch alle stolz sein können. Selbst für mich als Protestanten hat das ‚Sankt’ in Lambrecht nichts Befremdendes, nichts, was mit meinem Glauben, meiner Glaubensrichtung innerhalb des Christentums, nicht zu vereinbaren wäre. Ich vermag beim besten Willen nicht nachzuvollziehen, woran sich das ‚Fähnlein der Aufrechten’ stößt in diesem Wort.

 

Heiligenverehrung nicht Pflicht für den Einzelnen

Auch die römisch katholische Kirche spricht nicht von einem ‚Vorhof der Auserwählten’, einem „besonderen Platz in Gottes Hofstaat“ (sic Herr Pfarrer Diringer), wenn sie von „Heiligen“ spricht. Zurückgehend auf das Tridentiner Konzil, das die Gegenreformation, die Antwort auf Luther, Zwingli und Calvin einleitete, hat auch sie die von den Protestanten propagierte Lehre der alle Gläubigen ‚heilig’ machenden Lehre der Gnade Gottes übernommen. Zusätzlich, in dualer Aufsplittung dieser kanonischen Lehre, hat sie die Nützlichkeit der Anrufung von ‚Schutzpatronen’ beibehalten. Diese Variante des katholischen Glaubens stellt aber kein Dogma dar, ist also für die Glaubensangehörigen dieser Kirche nicht verbindlich, sondern hat nur Empfehlungscharakter im Sinne einer Enzyklika. Im Kleinen theologischen Wörterbuch von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler (Freiburg i. Breisgau, 1971, 8. Auflage, S.159) heißt es dementsprechend auch: „H. [= Heiligenverehrung] ist nach dem Lehramt erlaubt und nützlich (D 986 u. ö.), aber nicht als Pflicht für den Einzelnen gelehrt.“ Selbst mir als Protestant ist es nicht verboten - ich wüsste nicht, dass irgendein Synodalbeschluss oder Katechismus lutherischen respektive reformierten Ursprungs dies so festgeschrieben hätte - den direkten ‚Kommunikationsdraht’ zu Gott je nach Einschätzung der eigenen Lage außer Acht zu lassen und irgendeine verstorbene Person mit der Bitte um Vermittlung, um Fürsprache bei Gott anzurufen. Wieso die ‚Siegelwahrer der Wallonen’ auf das ‚Sankt’ wie von der Tarantel gestochen reagieren, ist mir unergründlich.

 

Gedankengut von Dr. Lembach

Im Übrigen verabscheue ich den Gedanken einer „Werkstatt“ im Kontext der Rückbesinnung auf den Namen ‚St. Lambrecht’. Die Auffassung, die die Leserzuschrift der beiden Presbyter dem Publikum suggerieren möchte, ist schlichtweg falsch. Initiator und Spiritus Rector des Vorschlags, Lambrecht wieder umzubenennen in einen seiner ursprünglichen, geschichtlich bezeugten Namen, rührt nicht aus dem Think Tank des CDU-Ortsvereins Lambrecht, der „Zukunftswerkstatt“ dieser Partei, sondern definitiv aus dem Gedankengut und dem Erfahrungsschatz Herrn Dr. Lembachs. Diesem Mann allein kommt das Verdienst dieser Anregung zu. Jahrzehntelange Bemühungen um die Erhellung lokalgeschichtlicher Aspekte haben diesen Wunsch in ihm wohl reifen lassen. Aus seiner ins Leben gerufenen Initiative ist eine ganze Bewegung geworden, an der die weitaus überragende Mehrheit der Bevölkerung begeistert, weil von der Idee überzeugt, teilnimmt. Dies hat eine repräsentative Umfrage der Talpost vor zirka zwei Jahren bereits ergeben. Die Behauptung der beiden Vertreter des Presbyteriums beinhaltet nicht nur eine Falschaussage. Sie unterstellt Herrn Dr. Lembach, er habe im Auftrag der CDU gehandelt, also aus parteigebundenen Interessen. Das halte ich in der Dimension der Aussage für eine haltlose, im Grunde ‚ehrenrührige’
Tatsachenbehauptung.

Meines Wissens ist die „Zukunftswerkstatt“, die Ideenschmiede des hiesigen CDU-Ortsvereins, eine ‚Expertenkommission’ zur Zukunftsgestaltung Lambrechts, die erst nach dem Aufruf Herrn Dr. Lembachs in der Talpost ‚geboren’ wurde. Es mag durchaus sein, dass sich diese „Zukunftswerkstatt“ dieser Idee inzwischen angenommen hat, kreiert hat sie sie freilich nicht.

Im Resümee und in Ergänzung zum Wortlaut des diesjährigen Fasnachtslogans: „Graf Otto schrieb’s uns auf die Fahne, St. Lambrecht ist ein schöner Name!“ möchte ich an dem frommen Wunsch festhalten: „St. Lambrecht in der Pfalz, Gott erhalt’s.“

Albert Hans, Lambrecht, 2. Hälfte Juli 2009